Jeder Personenschutzeinsatz ist eine neue Herausforderung. Besonders für Auszubildende der angehenden Bodygard-Zunft, die hier das Erlernte in einem Realeinsatz miterleben und ausführen dürfen.
Zuerst muss ein Kommando formiert werden: Kommandoführer, Stellvertretender Kommandoführer und einen Personenschützer. Dann geht die Recherche los. Da für den Einsatz zwei Namen der Schutzpersonen vorhanden waren, dachten wir, dass es sich um einen Einsatz mit zwei Schutzpersonen handelt. Wir haben aus dem Internet mehrere Fotos und Arbeitsstätten gefunden. Beim auswerten der Fotos wurde klar, dass es sich um einem Künstlernamen handelt. Aus anderen Quellen, die nicht genannt werden, konnten wir von unserer Schutzperson und dem Fotografen die Privatanschrift, Geburtsdatum und Geburtsort recherchieren. Nun konnte mit den gewonnenen Informationen eine Personenschutzakte erstellt werden. Sämtliche relevante Adressen für den Einsatz wurden an den Fahrer weitergegeben.
Meine Aufgabe für das Kommando war der Stellvertretener Kommandoführer. Dazu zählt:
- Führung der Kommandomitglieder nach Vorgabe des Kommandoführers
- Ersetzt bei Ausfall oder Abwesenheit die Aufgaben des Kommandoführers
- Information an den Kommandoführer über Lageveränderungen
- Unterstützt den Kommandoführer durch Zuarbeiten
- Ansprechpartner für das Kommando
- Kontrolliert Einsatzbereitschaft Kfz und Material
- Positionierung der KFZ
- Wirkungs- und Beobachtungsbereiche vorn, rechts, links, hinten
- Observationsaufklärung
- Taktisches Gehen zum Verhindern vom Einlaufen fremder Personen ins Kommando
- Bekämpfen von Angriffen
- Leiten des Fahrers VIP bei Navigationsausfall bzw. Routenänderung per Funk
- Protokollieren aller relevanten Informationen für den Einsatzbericht
Im Einsatz konnten wir sehen, wie wichtig es ist, Formationsübungen durchzuführen. Wir hatten NIE eine starre Einteilung. Jeder musste, Situationsabhängig, den Part des anderen übernehmen. Es ist auch sehr wichtig, die Abstände richtig einzuschätzen, ohne dass man jedes Mal denn Funk benutzt. Zitat von Herrn Mayer: „so nah wie nötig, so weit wie möglich!!!“. Eine Situation, die am Samstag passiert ist: die Schutzperson raucht vor einem Restaurant in einer sehr leeren und dunklen Straße. Der Kommandoführer blieb im Restaurant, um dort die Objektsicherung zu machen. Stellvertretender Kommandoführer und Pointer stehen mit einem Abstand von ca. 7 m an der Straße. Als ein Mann sich auf uns zu bewegte, haben wir den Abstand zur Schutzperson auf ca. 1,5 m verkürzt. Als ein Angriff von diesem Mann auf die Schutzperson versucht wurde, wurde diese kontrolliert abgewehrt. Dies war nur möglich, da der Abstand zur Schutzperson verkürzt wurde. Die Kommunikation erfolgte durch Mimik und Gestik. Es ist nicht immer möglich zu sprechen bzw. etwas zu hören. Z.B. Laute Musik oder Funkstörer. Dies waren nur ein paar Beispiele die wir aus unserer Ausbildung gelernt haben.
Für mich persönlich, war es ein sehr interessanter Einsatz. Wir haben als Team gearbeitet, konnten uns auf das Kommando verlassen und das Vertrauen war da. In der Ausbildung wird uns des Öfteren gesagt, dass wir nur die Basics lernen. Das kann ich bestreiten. Die Situationen, die wir erleben durften und gemeistert haben, waren durchaus mehr als pure Basics.



